Krankenversicherung – geseztlich oder privat versichern?

Die Idee ist in Deutschland rund 130 Jahre alt, mit einer gesetzlichen Krankenversicherung wollte man 1883 weite Teile der Bevölkerung mit einer Krankenversicherung gegen die Kosten ärztlicher Behandlung absichern. Die Idee dazu stammt von keinem Geringeren als dem deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck. Damit sollte vor allem die schlecht verdienende Klasse der Arbeiter versorgt werden, heute ist daraus eine Versicherung für jedermann geworden. Wer heutzutage allerdings besser verdient, als die Mehrheit seiner Mitbürger, darf sich stattdessen privat versichern. Beamte, Selbstständige und Freiberufler haben ebenfalls die Wahl. Aber lohnt sich das?

Für wen die gesetzliche Krankenversicherung gilt

Im Gegensatz zur privaten Krankenversicherung ist die geseztliche nicht freiwillig, es gilt grundsätzlich eine Versicherungspflicht. Wer nicht zum Kreis der Auserwählten gehört, hat keine Wahl und muss sich gesetzlich versichern. Das ist nicht unbedingt ein Nachteil, denn finanziell lohnt sich eine private Absicherung nicht für jeden, auch wenn er oder sie genug verdient. Sowohl Beschäftigte unterhalb einer festgelegten Einkommensgrenze von jährlich 50.850 Euro als auch Studierende, Rentner und Arbeitslose sind versicherungspflichtig, es sei denn sie sind beispielsweise schon vor ihrem Renteneintritt privat versichert.

Wer darf sich privat versichern?

In eine private Krankenversicherung einzahlen dürfen insbesondere Beamte, Selbstständige und Freiberufler. Darüber hinaus dürfen sich Beschäftigte mit einem Jahreseinkommen über 50.850 Euro für eine der beiden Versicherungsarten entscheiden. Für Selbstständige und Freiberufler gilt dabei keine Einkommensgrenze, Beamte haben den zusätzlichen Vorteil, dass der Staat einen Teil ihrer Einzahlungen in die private Krankenversicherung übernimmt.

Das unterscheidet gesetzliche und private Krankenversicherung

Wer die Wahl zwischen den beiden Versicherungssytemen hat, für den lohnt sich zunächst mal ein Vergleich der beiden Systeme, bevor die Wahl auf eine Krankenkasse fällt. Für die geseztliche Absicherung spricht, dass Familienangehörige wie Kinder und Ehepartner kostenlos mitversichert werden dürfen. Bei der privaten Krankenversicherung fällt dagegen für jedes Familienmitglied ein zusätzlicher Beitrag an, sofern sie nicht gesetzlich versichert sind. Die Kosten für Ärzte und Krankenhausaufenthalte müssen zudem von privat Versicherten vorgestreckt werden, bevor sie sie später wieder erstattet bekommen. Gesetzlich Versicherte müssen sich darum nicht kümmern. Als weiteres Argument für die gesetzliche Krankenversicherung gilt, dass die Beiträge nicht wesentlich steigen. Sie bewegen sich im Durchschnitt recht stabil bei knapp über 14 Prozent des monatlichen Einkommens. Bei einer privaten Versicherung steigen die Beiträge dagegen mit dem Alter teilweise deutlich an.

Die Beiträge für eine private Krankenversicherung berechnen sich demgegenüber nicht durch das Einkommen, die Beiträgshöhe ist davon für privat Versicherte vollkommen unabhängig. Bei ihnen ist die Höhe des Beitrags abhängig von Alter, Geschlecht und möglichen Vorerkrankungen. Sie können darüber hinaus zwischen verschiedenen Tarifen wählen, bei denen sich die Kosten und Leistungen der Versicherung unterscheiden, und problemlos zwischen den Tarifen wechseln. Abhängig vom Tarif genießen sie zudem Vorteile wie Chefarztbehandlung und Einzelzimmer im Krankenhaus und können Zusatzleistungen wie weltweiten Versicherungsschutz in Anspruch nehmen. Auch müssen Mitglieder einer privaten Krankenversicherung keine Zuzahlungen für Krankenhausaufenthalte, Arztbesuche oder Medikamente leisten.

Lohnt sich eine private Krankenversicherung?

Die Meinungen darüber, ob sich eine private Krankenversicherung lohnt, gehen auseinander. Es sollte in jedem Fall individuell geprüft werden, ob der Wechsel zu einem privaten Versicherer sinnvoll ist. Ein Wechsel will unbedingt gut überlegt sein, denn der Weg zurück zur gesetzlichen Krankenversicherung ist nicht so einfach und oft nur in Ausnahmefällen möglich. Eine private Absicherung kann so beispielsweise für einen jungen, gesunden Mann von Vorteil sein. Sobald er aber Kinder bekommt, und auch die Ehefrau mitversichert werden muss, kann es im Nachhinein teuer für ihn werden. Daneben gibt es über die oben genannten Vor- und Nachteile der Versicherungssysteme noch weitere, kleinere Argumente, die für den Einzelnen eine Rolle spielen können und für die sich gegebenenfalls auch eine Beratung bei einem Fachmann lohnt. Für Beamte ist eine private Krankenversicherung aber im Regelfall bedenkenlos, da sie davon profitieren, dass der Staat einen Teil ihrer Versicherungsbeiträge beisteuert.