Hörsturz – Rätzelhafter Hörverlust

Ein Hörsturz tritt innerhalb von Sekunden und ohne Vorwarnung auf. Wie er entsteht, ist bis heute unverstanden. Auch seine Auslöser bleiben weitestgehend im Dunkeln. Lange galt Stress als Ursache für einen Hörsturz, doch ein Zusammenhang zwischen Stress und dem plötzlichen Hörverlust wurde bislang nicht nachgewiesen. Aber wie erkennt man die Erkrankung und welche Therapien helfen, sie wieder loszuwerden?

Schätzungen zufolge erleiden in Deutschland jedes Jahr rund 15.000 Menschen einen Hörsturz. Frauen und Männer sind in etwa gleich stark betroffen. In etwa 80 Prozent der Fälle geht er mit Geräuschen im Ohr einher, dem berüchtigten Tinnitus. Die Hälfte der Erkrankten bemerkt zudem einen Druck auf dem betroffenen Ohr und fast jeder Dritte klagt auch über Schwindelgefühl.

Ein Hörsturz macht sich in fast allen Fällen nur in einem Ohr bemerkbar und fällt am stärksten durch den abrupten Hörverlust auf. Der kann manchmal sehr gering ausfallen, reicht aber bei manchen Betroffenen bis zur völligen Taubheit. Schmerzen entstehen dabei nicht, so dass Ohrenschmerzen nicht in Zusammenhang mit einem Hörsturz gebracht werden. Schwindel und Ohrensausen sind stärkere Hinweise darauf. Auch gilt die Erkrankung nicht als Notfall. Dennoch sollte sie zeitnah untersucht und behandelt werden, dann ist die Chance auf Heilung am größten.

Hörsturz, oder doch was anderes?

Wird es auf einmal still im Ohr, deutet das nicht schon zwangsläufig auf einen Hörsturz hin. Ein einseitiger Hörverlust kann auch ganz andere Ursachen haben. Deshalb überprüft ein HNO Arzt (Hals-Nasen-Ohren Arzt) Verdachtsfälle auf andere Erkrankungen. Die reichen von einer Mittelohrentzündung bis zu Morbus Menière, einer Erkrankung des Innenohrs, bei der der Hörverlust typischerweise mit Drehschwindel und Tinnitus einhergeht. Ohrenschmalz, das den Hörgang verstopft, kann ebenfalls Schuld am Hörverlust sein. Um einen Hörsturz zu diagnostizieren, ist eine so genannte Ausschlussdiagnose notwendig. Das heißt, der Arzt schließt alle andere Möglichkeiten aus. Darum sind eine Reihe von Untersuchungen nötig, zu denen auch eine Blutuntersuchung des Probanden gehört, um eventuell vorhandene Entzündungen im Blut nachzuweisen.

Was verusacht den Hörverlust?

Bis heute sind die genauen Ursachen und Auslöser eines Hörsturzes ungeklärt, die Erklärungsversuche reichen von Durchblutungsstörungen des Innenohrs über Infektionen durch Viren bis hin zu Autoimmunerkrankungen. Allen Theorien gemein ist, dass sie bisher nicht ausreichend belegt werden konnten. Fest steht jedoch, dass die Schallübertragung im Ohr bis zum Innenohr funktioniert, danach verliert sich dich Spur. Möglicherweise sind die feinen Haarzellen im Innenohr betrofffen, indem sie nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden. Vielleicht ist aber auch die Signalübermittlung vom Ohr in die zuständigen Hirnareale gestört. Während man früher jahrelang vor allem Stress für den Hauptauslöser von Hörsturz im Verdacht hatte, ist man heute mit dieser Behauptung vorsichtiger. In jedem Fall wird empfohlen, die eigenen Ohr im Alltag und auch in der Freizeit nicht mit Höreindrücken zu überreizen und Lärm zu meiden. Auch eine gesunde Ernährung kann hilfreich sein, da manche Experten einen Hörsturz mit hohen Fettwerten im Blut in Zusammenhang bringen. Stress dennoch zu vermeiden sollte aber so oder so im eigenen Interesse sein.

Therapien gegen Hörsturz

Die gute Nachricht für Betroffene ist: In über der Hälfte aller Vorfälle kommt es zu einer Spontanheilung, der Hörverlust bildet sich innerhalb weniger Tage von allein wieder zurück. Bei allen Behandlungsmethoden gilt, dass sie möglichst schnell erfolgen sollten. Da der Hörsturz bis heute nicht vollständig verstanden wird, gibt es eine Reihe von Erklärungen für ihn, die mit einer Vielzahl von Therapien einhergehen. Neben entzündungshemmenden Medikamenten wie Kortison werden Infusionen verabreicht, die den Blutfluss ankurbeln sollen. Daneben gibt es eine Reihe speziellerer Methoden, die angewendet werden, wenn herkömmliche Behandlungen nicht wirken. Lassen sie sich von Ihrem Arzt beraten und lassen Sie sich die Behandlungsmethoden genau erklären. Bei vielen Therapien gibt es eine Reihe unangenehmer Nebenwirkungen wie beispielsweise anhaltenden Juckreiz. Wichtig zu beachten ist außerdem: Da die meisten der Therapien nicht ausreichend durch Studien belegt sind, bezahlen die Krankenkassen in den meisten Fällen die Behandlung nicht.