Angstörung und Phobien – Wenn Ängste krankhaft werden

Wenn Ängste überhand nehmen und das Leben bestimmen, bedeutet das für die Betroffenen große Einschränkungen in ihrem Lebensalltag. Das kann so weit gehen, dass sich Menschen mit einer Angststörung nicht mehr vor die eigene Haustür trauen. Sie fühlen sich fremdbestimmt durch Ängste, die häufig selbst sie als übertrieben und unangemessen bewerten. Trotzdem sind sie ihrer Angst ausgeliefert und fühlen sich angesichts der heftigen Reaktionen, die sie auslöst, vollkommen machtlos. Je nachdem, wie stark eine Angststörung ausgeprägt ist, können Übungen helfen, die Erkrankung selbst in den Griff zu bekommen – für viele Betroffene bringt jedoch erst die Hilfe eines Facharztes die ersehnte Besserung.

Angststörung, was ist das?

Angst ist zunächst einmal eine natürliche und wichtige Körperreaktion, die in gefährlichen Situationen durchaus sinnvoll ist. Der Körper leitet eine Reihe von Reaktionen ein, die uns eine schnelle Flucht ermöglichen soll. So werden Stresshormone ausgeschüttet, beispielsweise Cortisol. Der Herzschlag wird schlagartig erhöht und Muskeln ziehen sich zusammen, um der Gefahr reflexartig zu entkommen.

Eine Angststörung bedeutet allerdings, dass Angstgefühle in Situationen auftreten, in denen sie entweder übertrieben oder sogar ganz unangemessen sind. Sorgen konkrete Auslöser für die Angstreaktion, spricht man von Phobien. Prominente Vertreter davon sind zum Beispiel Platzangst, Flugangst, Spinnenphobie und soziale Phobie. Was eigentlich harmlos und ungefährlich daherkommt, löst bei den Erkrankten regelrecht Panik aus. Panik kann aber auch ohne konkreten Grund auftreten, also scheinbar wie aus heiterem Himmel. Man spricht dann von einer Panikstörung.

Wie Ängste chronisch werden

Bei Angstgestörten haben sich Angst und Furcht so weit in die Psyche eingegraben, dass sie sich selbst befeuern. Die Rede ist von der Angst vor der Angst, wenn Betroffene sich vor einer Angstsituation fürchten und so in einen Teufelskreis geraten, aus dem sie mit der Zeit immer schwerer von alleine herausfinden. Häufig haben Ängste ihren Ursprung in der Kindheit und sind früh erlernt worden. Aber auch im Erwachsenenalter können neue Ängste entstehen, vor allem wenn unerwartete, belastende Situationen auftreten. Die Gefahr, eine Angstörung zu bekommen, besteht dadurch, dass mit Angst in Verbindung gebrachte Situationen in Zukunft gemieden werden. Die Angst verstärkt dabei jedoch sich selbst. Die erwartete und dann erlebte Angst bekommt die Funktion einer sich selbst erfüllenden Prophezeihung, das Angstverhalten wird regelrecht erlernt. Die gute Nachricht ist aber, dass Angst auch wieder verlernt werden kann. Allerdings ist das umso schwerer, je länger sich die Angstspirale vorher drehen konnte.

Wie Phobien den Alltag bestimmen

Ist eine krankhafte Angstreaktion mit einer bestimmten Situation verbunden und tritt immer wieder in Zusammenhang mit ihr auf, spricht man von einer Phobie. Unzählige Phobien haben ihre Leidtragenden derart stark im Griff, dass sich diese sich kaum dagegen wehren können. Auch wenn jemand mit einer Spinnenphobie rational versteht, dass eine kleine Spinne für ihn harmlos und ungefährlich ist, kann er sich gegen die Angstreaktionen nicht schützen. Schweißausbrüche, Zittern, Herzrasen und Schwindel sind nur einige Symptome, die in Folge einer Angstreaktion auftreten. Für Menschen mit Flugangst werden so Flüge zum Höllenritt – oder ganz unmöglich. Klaustrophobiker können enge Räume aus Angst nicht mehr betreten, und Menschen mit sozialer Phobie oder Platzangst trauen sich kaum noch aus dem Haus.

Die vielen Gesichter der Angst

Über die Phobien hinaus kann Angst chronisch werden, so dass sie keinen besonderen Anlass mehr braucht. Die Bezeichnung für diese Art der Angststörung ist generalisierte Angststörung. Betroffene erleben Unruhe, Sorgen und diffuse Ängste unabhängig von spezifischen Auslösern. Häufig können sie schlecht schlafen und haben pessimistische Erwartungen an die Zukunft. Bluthochdruck und Schmerzen im Bauch oder Rückenbereich sind ebenfalls typische Begleiter. Die Angst wird oft nicht mehr als solche wahrgenommen, sie formt und bestimmt jedoch dauerhaft das Stimmungsbild der Erkrankten.

Besonders bekannt bei Soldaten, die aus dem Krieg heimkehren, ist die posttraumatische Belastungsstörungen. Auch sie ist eine Unterform der Angststörung. Sie wird vor allem durch als extrem belastend empfundene Situationen ausgelöst.

Zusätzlich tritt als bekannter Vertreter der Angststörungen die Panikstörung auf. Bei ihr werden die Betroffenen von Panik regelrecht überfallen, ohne dass es dafür einen offensichtlichen Grund gibt. Eine Panikattacke kann schon nach wenigen Minuten vorbei sein, oder aber mehrere Stunden andauern.

Wie sich Angst behandeln lässt

Ähnlich, wie es bei anderen psychischen Krankheiten und affektiven Störungen der Fall ist, scheuen sich die Erkrankten aus Scham davor, zu einem Arzt zu gehen. Doch auch gegen eine Angststörung, ganz gleich in welcher Form sie auftritt, haben Psychiater, Psychotherapeuten und Fachärzte für psychosomatische Medizin erfolgsversprechende Behandlungen im Angebot. Die Beschwerden können mit einer Reihe von psychotherapeutischen Maßnahmen behandelt werden, dazu zählen zum Beispiel Verhaltens- oder Gesprächstherapie. Bei einer schwach ausgeprägten Angststörung können Betroffene auch versuchen, durch Stressabbau, Erholung und Entspannungstechniken selbst etwas für ein angstfreies Leben zu tun.