Burnout – Wenn die Seele ausbrennt

Erschöpft und ausgebrannt, müde und antriebslos – so beschreiben an Burnout Erkrankte, was sie durchmachen. Stress, Frust und zu viel Arbeit werden verallgemeinernd als Hauptursachen für das Erschöpfungssyndrom ausgemacht. Die Realität ist, wie so oft, um einiges komplexer. Denn neben den äußeren Faktoren, die Burnout begünstigen, bringen Erkrankte eine Vielzahl eigener, intrinsischer Eigenschaften mit, die zu der psychischen Erkrankung führen. Die Geschichte vom überarbeiteten Manager, der sich für seine Arbeit verausgabt, ist zwar nicht immer falsch – in vielen Fällen aber sehr stark vereinfacht.

Jemand noch ohne Burnout?

Modekrankheit Burnout – durch die hohe Medienpräsenz und Prominente, die von ihrer Erkrankung berichten, hat das Burnout Syndrom einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft bekommen. Der hohe Bekanntheitsgrad hat allerdings zwei Seiten, denn auf der einen Seite wird Burnout besser akzeptiert, schneller diagnostiziert und dadurch besser behandelt. Auf der anderen Seite gewinnen viele Menschen durch stark vereinfachende Berichterstattung den Eindruck, Burnout sei eine Folge reiner Überabeitung. Die Erschöpfungskrankheit ist jedoch ein komplexes Krankheitsbild, dessen Ursachen und Auslöser höchst vielseitig und verschieden sind. Wird Burnout aber auf ein plattes Modesyndrom reduziert, ist den Leidtragenden damit mehr geschadet als geholfen.

Erschreckend hoch ist die Zahl der Arbeitnehmer, die an Burnout leiden. Mehr als jeder Zehnte von ihnen soll Schätzungen zufolge mindestens einmal im Leben an der chronischen Erschöpfung erkranken. Das hat Forschern und Ärzten zufolge viel mit der modernen Arbeitswelt zutun, die sich mit Hilfe von Handys, Emails und Co. bis in die letzten Winkel und Ecken unseres Privat- und Freizeitlebens frisst. Im Rahmen betrieblicher Gesundheitsförderung gehen darum mehr und mehr Firmen dazu über, ihren Mitarbeitern die Trennung zwischen Privat- und Arbeitsleben zu erleichtern. Denn kranke Mitarbeiter sind für Wirtschaftsunternehmen ein hoher Kostenfaktor.

So wirkt sich Burnout aus

Die Unterschiede und Übergänge zwischen Burnout und einer Depression sind fließend. Die Symptome sind zum größten Teil die selben. Dazu gehören Müdigkeit, Erschöpfung, Antriebslosigkeit und das Gefühl, innerlich leer zu sein. Wie auch bei einer Depression spielen außerdem körperliche Beschwerden bei einem Burnout ebenfalls häufig eine große Rolle. Zu den wichtigsten Symptomen zählen Schlafstörungen und Bauchschmerzen, aber auch Kopf- und Rückenschmerzen können auf die chronische Erschöpfungskrankheit hindeuten.

Hinter manch einem Burnout versteckt sich hingegen die unausgesprochene Diagnose Depression. Sie bleibt unausgesprochen, weil die Bezeichnung Depression ein schlechteres Image mit sich bringt. Wer dagegen an Burnout erkrankt ist, hat sich, so wird es nach außen vermittelt, schlicht stärker eingebracht und verausgabt als andere – oder mehr Leistung gebracht, wie es im Managerjargon heißen würde.

Was zur Erschöpfung führt

Wenn die Seele krank wird und sich Erschöpfung und ein Gefühl von Sinnlosigkeit breit machen, wird das schnell durch Stress und zuviel Arbeit erklärt. Die Erklärung greift aber häufig viel zu kurz. Denn viel zu oft ist Burnout nur die dunkle, verzweifelte Endstation einer Reise, die mit freudiger und idealistischer Begeisterung begonnen hat. Ärzte weisen darauf hin, dass besonders idealistisch und perfektionistisch veranlagte Menschen zu einer Erschöpfungskrankheit tendieren. Typisch ist oft auch ein Persönlichkeitsbild, das von einem niedrigen Selbstwertgefühl und hohen Ansprüchen an sich selbst geprägt ist. Weil diese Menschen ihre viel zu hohen Ziele nicht erreichen, entsteht Frust. Der spielt neben Stress und Überarbeitung eine zentrale Rolle bei der Ursachensuche, er selbst kann natürlich auch durch andere Umstände ausgelöst werden. Mobbing am Arbeitsplatz ist ein häufiger Grund dafür.

Wege aus dem Ausgebranntsein: Das hilft bei Burnout

So unterschiedlich die Ursachen eines Burnout Syndroms sind, so unterschiedlich sehen auch die jeweiligen Gegenmaßnahmen dafür aus. Wer sein Selbstwertgefühl weitestgehend aus seiner Arbeit und der Anerkennung durch andere zieht, muss anfangen zu lernen, seine Zufriedenheit auch aus anderen Quellen zu schöpfen. Das können Beziehungen zu Freunden und Familie sein, oder aber niedriger gesteckte Ziele, die realistisch und erreichbar sind. Häufig ist es gerade der Vergleich mit anderen, der die Seele krank macht.

Ein hohes Risiko, an Burnout zu erkranken, haben traditionellen Menschen, die in helfenden Berufen tätig sind. Dazu gehören zum Beispiel Krankenschwestern, Pflegekräfte, Ärzte, Lehrer und Therapeuten. Ihr Idealismus und Verantwortungsgefühl ist häufig so groß, dass sie unter der seelischen Last zusammenbrechen. Umso wichtiger ist, dass sie nicht nur für ihre Schutzbefohlenen sorgen, sondern ebenfalls für sich selbst.

Zur Selbsthilfe gegen Burnout empfehlen Experten Entspannungsübungen wie autogenes Training, Joga und progressive Muskelentspannung. Diese Techniken müssen allerdings zunächst einmal eingeübt werden, bevor sie eingesetzt werden können. Häufig ist es notwendig, Dinge auf Arbeit oder in anderen Lebensbereichen zu ändern, um dem Burnout die Grundlagen zu entziehen.

Ein Arztbesuch ist keine Schande

Obwohl das Thema Burnout mittlerweile sehr präsent in den Medien ist und gesellschaftlich immer mehr akzeptiert wird, scheuen sich viele Betroffenen, sich Hilfe zu suchen. Das liegt unglücklicherweise auch daran, dass das Gefühl, es alleine schaffen zu müssen, bei vielen Erkrankten entweder mit zur Krankheit beigetragen hat, oder zu ihrem Krankheitsbild dazugehört. Häufig durchleben Erkrankte deshalb eine lange Zeit des Leidens, bis sie sich an einen Arzt wenden. Ansprechpartner sollte zunächst der Hausarzt sein. Er kann andere Ursachen für die Symptome ausschließen, wie beispielsweise eine Schilddrüsenunterfunktion oder ein Tumor. Liegen keine anderen Ursachen vor, kann er bei Bedarf an einen Psychiater oder Psychotherapeuten verweisen, die mit Hilfe von Psychotherapie, und unter Umständen auch Medikamenten, Burnout in den allermeisten Fällen sehr gut behandeln können.