Wenn die Seele krank wird – Wege aus der Depression

Seit Jahren steigt die Zahl der Diagnosen, die eine Depression feststellen. Ausgerechnet in den Industrieländern, in denen der Wohlstand besonders groß ist, leiden die meisten Menschen an der psychischen Krankheit. Ärztliche Hilfe bei Depressionen suchen die wenigsten frühzeitig, die Krankheit geht nach wie vor mit Scham und Verschwiegenheit der Betroffenen einher. Depressive hatten lange den Ruf, leistungsschwach und weinerlich zu sein. Oft ist aber das genaue Gegenteil der Fall, eine Depression befällt bevorzugt Menschen mit hohen ideellen und leistungsorientierten Ansprüchen. Dass Erkrankte sich die Symptome ihrer depressiven Erkrankung häufig auch noch selbst vorwerfen, macht ihre Situation umso schwieriger. Dabei lässt sich Depression mit Hilfe von Psychotherapie und Medikamenten, allen voran Antidepressiva, sehr gut behandeln – je früher sie erkannt und behandelt wird, desto besser.

Depression und Burnout

Müde, erschöpft und antriebslos – wer an Depression leidet, fühlt sich in der Regel wie ausgebrannt. Die Krankheit ist wie ein Schleier, der sich auf die Seele legt. Die Erkrankten fühlen sich matt und gefühlsarm. Die Übergänge zu einem Burnout sind fließend, viele Symptome der beiden Krankheitsbilder überschneiden sich, und manche Ärzte hinterfragen den Sinn einer scharfen Abgrenzung zwischen Burnout und Depression. Im Gegensatz zum Burnout, das nicht als klassische, echte Krankheit eingestuft wird, ist eine Depression aber eine Behandlungsdiagnose. Betroffene können also in schweren Fällen und bei Selbstgefährdung in ein Krankenhaus eingewiesen werden.

Depression gehört zu den sogenannten affektiven Störungen, die psychische Erkrankungen zusammenfassen, bei denen die Erkrankten eine deutliche Veränderung ihrer Stimmungslage oder ihres Gemütszustands erleben. Eine Depression kann sowohl monopolar als auch bipolar auftreten. Bei der bipolaren Störung wechseln sich depressive Phasen mit zeitlichen Abschnitten ab, in denen die Betroffenen manisch, euphorisch und stark aktiv werden.

Depression – eine Volkskrankheit?

Seelische Erkrankungen sind scheinbar auf dem Vormarsch. In Deutschland werden rund sechs Prozent der Bevölkerung aufgrund einer depressiven Erkrankung behandelt. Die Dunkelziffer der Leidenden ist aber wahrscheinlich um einiges höher, denn viele Depressionen werden nicht als solche erkannt. Schätzungen zufolge werden weit mehr als die Hälfte aller Depressionen nicht richtig diagnostiziert und demzufolge auch nicht behandelt. Der Eindruck, dass immer mehr Menschen daran erkranken, entsteht also möglicherweise auch schlicht dadurch, dass das Thema Depression in den letzten Jahren eine höhere Aufmerksamkeit bekommen hat, und lediglich mehr Erkrankungen erkannt worden sind.

Dennoch ist vermutlich auch ein gestiegener Anspruch an sich selbst und durch andere in unserer leistungsorientierten Gesellschaft ein Grund dafür, warum die Zahl der depressiven Erkrankungen in den Wohlstandsländern höher ist als anderswo. Ärzte vermuten, dass zu den angeborenen, vererbten Gründen für die Krankheit auch erlernte Faktoren das Krankheitsrisiko erhöhen. Der Umgang mit Stress, Frust und mit den eigenen, unrealistischen Ansprüchen spielt demnach eine große Rolle für das Risiko, an Depression zu erkranken.

Symptome einer Depression

Noch immer ist das Bild, das viele Menschen von einer depressiven Erkrankung haben, oft geprägt durch Vorurteile und falsche Informationen. Denn eine echte Depression ist kein einfaches Stimmungstief, in das jeder mal hineinfällt, sondern eine ernste Krankheit, die behandelt werden muss. Nur selten klingt die Krankheit von alleine wieder ab. Deshalb hilft den Erkrankten der Zuspruch herzlich wenig, dass sie sich zusammenreißen sollten. Depressive können ihre Krankheit genauso wenig Kraft ihrer Gedanken verschwinden lassen, wie das bei einer Platzwunde möglich ist. Bei Depression handelt es sich stattdessen um eine Stoffwechselerkrankung des Gehirns, bei der Botenstoffe wie zum Beispiel Serotonin nicht mehr in ausreichender Menge vorliegen. Bleibt eine Depression unbehandelt, kann sie nicht selten tödlich enden, denn Erkrankte haben ein erhöhtes Risiko, einen Suizid zu begehen. Das liegt jedoch nicht grundsätzlich daran, dass depressiv Erkrankte nicht leben wollen, ihr Leidensdruck und ihre Verzweiflung können aber so groß werden, dass sie für sich keinen anderen Ausweg mehr sehen.

An Depression Erkrankte erleben ihre Krankheit höchst unterschiedlich, ein einheitliches Krankheitsbild gibt es ebenso wenig wie eine einheitliche Behandlung. Betroffene müssen also individuell und unter Berücksichtigung der persönlichen Auslöser und Symptome therapiert werden. Dennoch überschneiden sich viele der Symptome. Typisch sind vor allem Müdigkeit, Erschöpfung, Antriebslosigkeit und ein Gefühl von Sinn- und Hoffnungslosigkeit. Hinzu kommen Ängste, Schuldgefühle und Selbstzweifel. Darüber hinaus spielen psychosomatische Symptome bei einer Depression eine große Rolle, die Betroffenen nehmen die Krankheit also auch durch körperliche Beschwerden wahr. Das heißt aber nicht, dass sie sich die Beschwerden einbilden, die Krankheit macht sich ganz einfach durch körperliche Symptome bemerkbar. Dazu gehören zum Beispiel Schlaflosigkeit und Schmerzen in Bauch, Kopf und Rücken.

Wie Depression sich behandeln lässt

Je früher eine Depression diagnostiziert und behandelt wird, desto einfacher und schneller lässt sie sich heilen. Der Gang zum Hausarzt ist auch hier der erste Schritt, denn der Allgemeinmediziner kann ausschließen, dass andere Erkrankungen wie eine Fehlfunktion der Schilddrüse oder Tumoren die veränderte Stimmungslage auslösen. Hält er eine depressive Erkrankung für wahrscheinlich, wird er einen Psychiater, Psychotherapeuten oder Facharzt für psychosomatische Medizin empfehlen. Eine Kombination aus Gesprächstherapie und Antidepressiva haben sich im Kampf gegen Depressionen gut bewährt.