Erste Hilfe – Jeder kann ein Held sein

Erste Hilfe leisten zu müssen ist für viele eine Horrorvorstellung. Sie haben Angst davor, etwas falsch zu machen. Dabei ist schlechte Hilfe immer noch besser als gar keine, und den Notarzt rufen kann im Zweifelsfall jeder. Ein Erste Hilfe Kurs ist in Deutschland Pflicht für alle, die einen Führerschein machen. Doch weil das Gelernte sich gerne wieder verflüchtigt, lohnt es sich, das Wissen über lebensrettende Sofortmaßnahmen regelmäßig aufzufrischen. Denn wer weiß, was im Notfall zu tun ist, behält eher die Ruhe und Übersicht – und kann damit Leben retten.

Selbstschutz und Pflicht zur Ersthilfe

Erste Hilfe ist in Deutschland Bürgerpflicht. Wer einer in Not geratenen, hilflosen Person die Hilfe verweigert, macht sich dadurch strafbar. Allerdings hat diese Pflicht auch ihre Grenzen, denn Ersthelfer müssen und sollen sich nicht selbst in Gefahr bringen. Selbstschutz ist bei erster Hilfe also stets oberstes Gebot. Als Zweites gilt es, Übersicht über die Situation zu bekommen und Ruhe zu bewahren. Unüberlegtes Handeln führt schnell dazu, dass Ersthelfer sich selbst und andere in Gefahr bringen. Unter Umständen ist es zunächst einmal notwendig, eine Unfallstelle abzusichern oder die notleidende Person außer Gefahr zu bringen, bevor weitere Schritte sinnvoll sind. Was Sie in welcher Reihenfolge tun sollten, erfahren Sie weiter unten.

Erste Hilfe Kurse sind für verpflichtend, um einen Führerschein zu erlangen. Angeboten werden die Lehrgänge von einer Reihe von Anbietern, darunter das Rote Kreuz, ASB und Malteser Hilfsdienst.

Die Situation erkennen und bewerten

Wenn Sie in die Situation kommen, erste Hilfe leisten zu müssen, sollten Sie unbedingt Ruhe bewahren. Atmen Sie kurz durch und schauen Sie sich die Situation an. Bevor Sie zu einer hilfsbedürftigen Person laufen, sollten Sie bei einem Unfall die Unfallstelle zunächst einmal absichern. Warnweste, Warndreieck und Warnblinkleuchten kommen dabei zum Einsatz. Falls andere Personen in der Nähe sind, rufen Sie sie zur Hilfe. Anschließend sollten Sie dafür sorgen, dass Sie alle Hilfsbedürftigen aus dem Gefahrenbereich retten, bei einem Verkehrsunfall also zum Beispiel die Verunglückten aus dem Auto holen oder von der Straße an den Straßenrand ziehen, sofern das möglich ist.

Erst dann ist es Zeit, einen Notruf abzusetzen. Rufen Sie die 112 an und geben Sie neben dem Unfallort an, was passiert ist. Häufig stehen Ersthelfer unter Schock oder enormer Anspannung, so dass es ihnen schwer fällt, die Situation strukturiert und sachlich zu schildern. Deshalb ist es am besten, Sie beantworten die Fragen der Mitarbeiter auf der Rettungsleitstelle. Diese wissen, welche Informationen relevant und wichtig sind. Beantworten Sie die Fragen kurz und präzise, die Rettungsleitstelle wird unter anderem wissen wollen, wo Sie sich befinden, was passiert ist und wie viele Verletzte es gibt. Legen Sie nicht sofort auf und warten Sie auf Rückfragen und Anweisungen. Danach ist es an der Zeit, sich um Hilfsbedürftige zu kümmern.

Lebensrettende Sofortmaßnahmen

Es gibt drei Vitalfunktionen, die Sie bei in Not geratenen Menschen überprüfen sollten:

1. Ist die Person bei Bewusstsein und ansprechbar?
2. Atmet die Person
3. Hat die Person einen Puls?

Ist die hilfsbedürftige Person bei Bewusstsein und ansprechbar, sollten Sie sie nach ihrem Befinden fragen, und gegebenenfalls einen Notruf absetzen, wenn Sie das nicht schon vorher getan haben. Falls die Person nicht ansprechbar ist, prüfen Sie Atmung und Puls. Falls Sie Atmung feststellen, bringen Sie die Person in die stabile Seitenlage. Falls sie aber nicht atmet, sollten Sie eine Herz-Lungen-Beatmung durchführen.

Herzinfarkt und Schlaganfall

Ersthilfe kann auch bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall Leben retten. Entscheidend ist, die Symptome der Erkrankungen richtig zu deuten. Bei Herzinfarkt sind das häufig ausstrahlende Schmerzen im Brustbereich. Manchmal tritt aber auch nur ein beklemmendes oder beengendes Gefühl auf. Hinzu kommen oft blasse Haut und Angstzustände.

Ein Verdacht auf Schlaganfall lässt sich in den meisten Fällen dadurch überprüfen, dass die betroffene Person einige wenige motorische und sprachliche Tests ausführt. Fallen beim Anheben der Arme und gleichzeitigem Drehen der Hände nach außen, oder beim Nachsprechen eines einfachen Satzes Schwierigkeiten auf, kann das auf einen Schlaganfall hindeuten. Auch ein schiefes Lächeln ist ein starker Hinweis. Sollten diese Symptome nicht bestehen, können Herzinfarkt und Schlaganfall im Umkehrschluss aber nicht eindeutig ausgeschlossen werden, weshalb auch bei anderen anhaltenden Beschwerden besser ein Arzt oder der Rettungsdienst befragt werden sollte.

Verbrennungen und Vergiftungen

Steht ein Mensch in Flammen, kommt es häufig vor, dass er in Panik wegläuft. Er sollte dann zu Boden geworfen werden, um die Flammen löschen zu können. Nehmen Sie dazu eine Decke, Jacke oder Ähnliches und versuchen Sie, die Flammen abzustreifen. Bei Verbrennungen kommt es oft zu schweren Schädigungen der Haut, die in schweren Fällen tödlich sind. Wichtig ist es, sofort einen Notruf abzusetzen. Anschließend sollten Sie, falls möglich, die verbrannten Hautflächen unter kaltem, fließendem Wasser kühlen. Sie sollten die Verbrennungen aber keinesfalls mit Hausmitteln behandeln, damit der behandelnde Arzt den Zustand der Wunden beurteilen kann.

Vergiftungen sind am gefährlichsten, wenn ihre Ursache unbekannt ist. Wann immer möglich sollten Sie daher unbedingt herausfinden, was die betroffene Person eingenommen hat. Auch in Erbrochenem können Substanzen eventuell nachgewiesen werden. Bringen Sie die Person in die stabile Seitenlage, nachdem Sie einen Notruf getätigt haben, damit sie Erbrochenes nicht verschluckt.