Besser sehen mit Kontaktlinsen

Auch wenn in Deutschland mehr als 60 Prozent der Erwachsenen auf eine Sehhilfe angewiesen sind, nicht einmal jeder Zehnte greift zu Kontaktlinsen. Die meisten von ihnen setzen lieber auf die altbekannte Brille. Zwar haben Kontaktlinsen den Ruf, praktisch und komfortabel beim Tragen zu sein. Allerdings machen sie auch etwas mehr Arbeit, eine Brille kann man schließlich eben mal auf- und absetzen. Dafür gibt es bei den Haftlinsen keine störenden Rahmen und Verzerrungen. Das Sichtfeld ist ebenfalls größer, man sieht einfach mehr. Vor- und Nachteile haben beide Systeme. Aber auch wenn sie sich für Kontaktlinsen entscheiden, haben Fehlsichtige zwischen verschiedenen Arten die Qual der Wahl.

Die Idee ist älter als man denkt – schon der als Tüftler geltende Leonardo da Vinci machte sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts Gedanken darüber, wie sich Fehlsichtigkeit mittels eines wassergefüllten Glasgefäßes schon an der Hornhaut des Auges beheben lässt. Praktisch wäre das wohl nicht gewesen, dazu wäre die Konstruktion zu groß gewesen. Bis zu den modernen Kontaktlinsen, die wir heute kennen, brauchte es dann noch ein paar Jahrhunderte des Tüftenls und Ausprobierens. So verwundert es nicht, dass die ersten Kontaktlinsen ihrer Art Glasschalen waren, die beinahe das ganze Auge bedeckten.

Welche Kontaktlinsen gibt es?

Moderne Kontaktlinsen haben heutzutage nur noch einen Durchmesser zwischen etwa acht und 16 Millimeter und werden bevorzugt aus Kunststoffen hergestellt. Grob unterteilt unterscheiden sich formstabile, harte von flexiblen, weichen Linsen.

Die harten Kontaktlinsen gelten als schonender für die Augen, weil sie Sauerstoff sehr gut durchlassen. Dadurch dürfen sie wesentlich länger am Stück getragen werden, bis zu rund 20 Stunden sind möglich. Bei weichen Kontaktlinsen sollte nach acht bis zehn Stunden Schluss sein, sonst drohen Verletzungen an der Hornhaut. Harte Linsen haben in etwa eine Lebensdauer von zwei bis drei Jahren, erst dann müssen sie ausgetauscht werden.

Trotz dieser Vorteile entscheiden sich etwa 80 Prozent der über drei Millionen Menschen, die Kontaktlinsen tragen, für weiche Kontaktlinsen. Für sie überwiegen die Vorteile der weichen Haftlinsen, auch weil es eine Vielzahl an Austauschlinsen gibt, bei denen die Linsen, je nach Typ, nach gewisser Zeit gegen neue Linsen ausgetauscht werden. Es gibt Tages-, Wochen- und Monatslinsen.

Typisch für harte Kontaktlinsen ist zudem, dass sie weniger komfortabel zu tragen sind. Vor allem am Anfang muss man sich doch sehr an sie gewöhnen. Das kann mehrere Wochen dauern. An weiche Linsen gewöhnt man sich hingegen recht schnell. Des Weiteren gehen harte Linsen schneller verloren, besonders beim Schwimmen. Bei weichen Austauschlinsen ist das nicht so schnell der Fall – und wenn es passiert, ist es weniger tragisch, da sie ohnehin regelmäßig ausgetauscht werden.

Weiche oder harte Kontaktlinsen?

Die Frage lässt sich, wie so oft im Leben, nicht pauschal beantworten. Viele Augenärzte und Optiker empfehlen für Dauerträger aber eher harte Kontaktlinsen, weil sie für die Augen wesentlich schonender sind. Mit ihrer Hilfe können zudem kompliziertere Augenfehler wie etwa die Stabsichtigkeit (Astigmatismus) behoben werden, da die Linsen formstabil sind. Weiche Kontaktlinsen sind vor allem dann sinnvoll, wenn sie im Wechsel mit einer Brille getragen werden. Preislich sind die weichen Linsen zwar einzeln betrachtet günstiger, harte Linsen haben aber auf Dauer ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Das gilt natürlich nur so lange, wie sie nicht verloren gehen.

Kontaktlinsen oder doch besser Brille?

Wer sich für Kontaktlinsen interessiert, sollte die Vor- und Nachteile zur Brille genau abwägen. Grundsätzlich kann man mit einer Brille weniger falsch machen, und es spielt keine Rolle, wie lange sie getragen wird. Bei Kontaktlinsen muss da schon etwas mehr aufgepasst werden, sie dürfen nicht zu lange am Stück getragen werden. Während der Nacht sollten sie in jedem Fall herausgenommen, und nach Anweisung aufbewahrt werden. Außerdem machen die Haftlinsen mehr Arbeit als eine Brille, wichtig ist eine penible Hygiene und das tägliche Reinigen der Linsen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber zum Umgang mit Kontaktlinsen.

Wer sich für Kontaktlinsen entscheidet, kommt aber gleichzeitig in den Genuss großer Vorteile durch die kleinen Linsen. Beim Sport machen und bei Bewegung generell sind sie im Gegensatz zu einer Brille nicht störend, und können sogar beim Schwimmen getragen werden. Ohne Gestell und Rahmen schränken sie das Sichtfeld nicht ein. Auch werden Kontaktlinsen zum Rand hin nicht unscharf, was bei Brillen mehr oder weniger der Fall ist. Während Brillen gerne mal beschlagen, haben Kontaktlinsen damit kein Problem. Abhängig davon, ober der Brillenträger Kurz- oder Weitsichtig ist, verkleinern oder vergrößern Brillen außerdem das Bild – je nach Stärke der Gläser mehr oder weniger stark. Auch hier sind die Haftlinsen im Vorteil – Kontaktlinsen sorgen also für die bessere Sicht, bei etwas mehr Aufwand und einem leicht erhöhten Infektionsrisiko der Augen.