Organspende – Entscheidung fürs Leben?

Die Bereitschaft zur Organspende ist in Deutschland groß, wenn man aktuellen Umfragen Glauben schenkt. Die Mehrheit der Deutschen ist bereit dazu. Dennoch warten noch immer zu viele Menschen zu lange auf ein Spendeorgan, denn nicht einmal jeder Fünfte Deutsche trägt einen Spenderausweis bei sich. Sich mit der Entscheidung auseinanderzusetzen, ist für viele eine unangenehme Sache, die lieber aufgeschoben wird. Denn sie bedeutet auch die Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit. Was viele nicht wissen: Wer zu Lebzeiten keine Wahl trifft, sei es für oder gegen eine Organspende, schiebt diese Entscheidung in die Hände seiner nächsten Angehörigen. Auch deshalb sollen Deutschlands Bürger in Zukunft regelmäßig mit der Frage konfrontiert werden, ob sie spenden wollen oder nicht.

Rechtliche Regelung in Deutschland

Die Hoffnung stirbt immer zuletzt. Für Schwerkranke, die jahrelang auf ein Spendeorgan warten, ist das bittere Wahrheit. Rund 12.000 Menschen stehen derzeit auf einer Warteliste für ein Spendeorgan. In Deutschland gilt die erweiterte Zustimmungslösung, das heißt, dass man sich zu Lebzeiten schriftlich oder mündlich für oder gegen eine Organspende im Todesfall entscheiden kann. Macht man das nicht, müssen die nächsten Verwandten entscheiden, ob der Verstorbene eine Spende seiner Organe gewollt hätte oder nicht.

Auch wenn etwa 70 Prozent der Bundesbürger in Umfragen angeben, ihre Organe nach dem Tod spenden zu wollen, haben nur 20 Prozent der Bürger ihren Willen in einem Spenderausweis festgemacht. Besonders schwer macht man es ohne Spenderausweis unter Umständen allerdings den eigenen Angehörigen. Die müssen die Entscheidung dann stellvertretend treffen, was in solch einer Situation sehr belastend sein kann.

Hirntod ist Voraussetzung für Organspende nach dem Tod

Für viele Menschen, die sich mit dem Thema Organspende auseinandersetzen, bestehen diffuse Ängste vor Organhandel, frühzeitiger Organentnahme und die Befürchtung, im Ernstfall wegen der Organe sterben gelassen zu werden. Deshalb ist es unerlässlich, sich mit dem Gedanken sachlich zu befassen. In Deutschland gibt es strenge Auflagen und Regeln, die für Organspende gelten. Durch eine bundesweite Koordinierungsstelle, die Deutsche Stiftung für Organspende (DSO), werden deutschlandweit die Entnahme, der Transport und die Übergabe der Organe geregelt. Zudem dürfen die Organe erst dann entnommen werden, wenn mindestens zwei Ärzte unabhängig voneinander den Hirntod des Patienten feststellen, und dieser nach mindestens zwölf Stunden noch einmal überprüft wird. Des Weiteren wird der Spender auf mögliche Erkrankungen untersucht, die eine Organspende ausschließen. Dazu gehören zum Beispiel HIV, metastasierende Krebserkrankungen und die Creutzfeld-Jakob-Krankheit. Sollten Sie dennoch vor einer Organspende zurückschrecken, obwohl Sie grundsätzlich eigentlich gerne bereit dazu wären, hilft Ihnen vielleicht ein persönliches Beratungsgespräch mit Ihrem Hausarzt.

Organspendeausweis – Anweisung für die Lebenden

Wer mit dem Ausfüllen eines Spenderausweises großen bürokratischen Aufwand verbindet, der liegt falsch. Die Bereitschaft oder Ablehnung zur Organspende wird bislang nirgends registriert. Ein Organspendeausweis ist im Grunde nichts anderes als eine schriftliche Notiz, die der Spender bei sich trägt. Es handelt sich also keinesfalls um ein ein amtliches Formular, eine handschriftliche Notiz auf einem Stück Papier ist dafür ebenso gültig. Einen Ausweis kann man sich zuschicken lassen, oder aber auch vielerorts im Internet herunterladen und ausdrucken. Auf der Vorderseite sind Name, Geburtsdatum und Adresse des Ausgewiesenen vermerkt. Auf der Rückseite kann entschieden werden, ob einer Organspende zugestimmt wird, und wenn ja für welche Organe. Der Ausweis kann also auch dafür benutzt werden, eine Organspende nach dem Tod abzulehnen. Erwähnt sei noch, dass ein Spenderausweis keinesfalls eine Entscheidung ist, die für den Rest des Lebens gilt. Der Ausweis kann jederzeit weggeworfen und durch einen anderen ersetzt werden. Wer seine Meinung zur Organspende ändert, kann das also jederzeit auf einem neuen Ausweis festhalten.

In Zukunft: kein Zwang zur Entscheidung, aber häufigeres Nachfragen

Zukünftig werden Deutschlands Bürger wohl öfter der Frage begegnen, ob sie einer Organspende zustimmen oder nicht. Da im Grunde genommen viele Menschen zu einer Organspende bereit wären, ohne dass sie bislang einen Spenderausweis haben, sollen mehr Menschen dazu bewegt werden, einen Ausweis bei sich zu tragen. Dadurch erhofft man sich, die Zahl der Organspender zu erhöhen. Zum einen sollen die Krankenkassen regelmäßig nachfragen, zum anderen wird überlegt, auch bei der Beantragung von Ausweisen und Führerscheinen die Frage nach der Spendenbereitschaft zu stellen. Niemand wird dabei gezwungen, die Frage überhaupt zu beantworten. Doch wer es tut, schafft Klarheit und Transparenz – für sich selbst und auch für seine Angehörigen.