Was macht müde?

Die eigene Müdigkeit zu verstehen, ist oft der erste Schritt, sich wieder hellwach zu fühlen.

Die Augenlider schwer, das Kinn nach vorne kippend, sehnen sie sich nach Morpheus Armen. Doch Morpheus, in der griechischen Mythologie der Gott der Träume, wird zum Albtraum für all jene, denen die Müdigkeit den ganzen Tag zu schaffen macht. Für viele ist es ein Rätsel, warum die Müdigkeit auch tagsüber an ihre Türe klopft, obwohl sie nachts vermeintlich genug geschlafen haben. Allein wer die Ursachen der eigenen Müdigkeit versteht, kann sie dorthin zurück verweisen, wo sie hingehört: ins Schlafzimmer.

Die innere Uhr ticken hören

Morgens auf dem Weg zur Arbeit und abends auf dem Weg zurück das gleiche Bild in Bus und Bahn: müde und erschöpfte Gesichter, die sich im gleichen Takt zum Rhythmus der Arbeitswelt bewegen. Bei den meisten ist das sicherlich kein Grund zur Sorge, nach dem Aufstehen und nach der Arbeit ist Müdigkeit normal und verständlich. Doch durchschnittlich etwas mehr als jeder Dritte von ihnen ist ab und an betroffen von Ermüdungserscheinungen.

Die Gründe dafür sind sehr verschieden, die Ursache, die am offenkundigsten auf der Hand liegt, ist Schlafmangel. Viele Menschen unterschätzen ihr Schlafbedürfnis, und arbeiten nicht selten auch noch gegen die innere Uhr, freiwillig oder notgedrungen. Ein Hinweis darauf ist, wenn am Wochenende der Schlafbedarf nach oben schnellt, man einfach nur mal endlich ausschlafen will. Durchschnittlich braucht der Mensch täglich zwischen sechs und acht Stunden Schlaf, manche brauchen etwas mehr. Unter der Woche die Schlafzeiten etwas zu erhöhen und wenn möglich dem eigenen Rhythmus anzupassen, kann dann schon dazu führen, dass man sich im Alltag wesentlich wacher und ausgeruhter fühlt.

Die Müdigkeit vertreiben

Solange die Müdigkeit nicht Ursache einer psychischen oder physischen Erkrankung ist, lässt sich einiges für einen wacheren Alltag tun. Bewegung ist bestens dazu geeignet, den bleiernen Vorhang vor den Augen zu lichten. Eine Sportart, die Spaß macht, baut Stress ab und bringt den Kreislauf in Schwung. Aber auch schon ein Spaziergang bringt Schwung in die Zellen. Zusätzlich hilft das gegen Übergewicht, welches ebenfalls für Müdigkeit verantwortlich sein kann. Achten Sie zudem auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung.

Es gibt allerdings Gründe für Ermüdungserscheinungen, an denen wenig geändert werden kann. Frauen sind in den Wechseljahren häufig davon betroffen, und wetterfühlige Menschen bemerken einen Wetterumschwung häufig schon dadurch, dass sie müde werden.

Müdigkeit als Warnsignal: Wenn im Körper etwas nicht stimmt

Nichts spricht gegen ein Mittagstief und phasenweise Müdigkeit am Tag. Stoffwechsel und Hormonhaushalt sorgen für einen eigenen Schlaf- und Wachrhythmus, und fahren auch tagsüber immer wieder mal runter. Im besten Fall hält man dann ein kleines Schläfchen, falls das denn möglich ist. Wer aber genug schläft, sollte chronische Müdigkeit als Warnsignal dafür verstehen, dass dem Körper etwas fehlt. Das können Sauerstoff oder Flüssigkeit sein, dann verscheuchen Frischluft und ein Glas Wasser die bleierne Schwere.

Müdigkeit ist jedoch zugleich als Symptom zahlreicher Erkrankungen bekannt und kann ein Hinweis auf sie sein. Bei anhaltender Müdigkeit und Erschöpfung ist es deshalb besser, zum Hausarzt zu gehen. Erkältung, Grippe und andere Infektionen gehen oft mit Müdigkeit einher, und zu hoher oder zu niedriger Blutdruck können gleichermaßen dazu führen. Eine Erkrankung lebenswichtiger Organe kann sich ebenfalls hinter chronischer Erschöpfung verstecken, und bei bestimmten Tumoren tritt Müdigkeit als eines der ersten Symptome auf.

Müdigkeit durch Burnout: Wenn die Seele ausbrennt

Kaffee und andere Aufputschmittel sind wahrscheinlich die Volksdroge Nummer Eins in Deutschland, niemand möchte im Job übermüdet und erschöpft erscheinen. Doch wenn die Seele nicht mehr mitmacht, hilft auch der beste Kaffee nicht mehr. Häufig sind Müdigkeit und Erschöpfung frühe Warnsignale für eine drohende oder schon eingetretene psychische Erkrankung. Burnout und Depressionen stehen ganz oben auf der Liste der Erkrankungen, für die Müdigkeit und Erschöpfung ein wesentliches Merkmal sind. Frust und Stress auf der Arbeit oder ständiges sich überarbeiten sind immer wieder Auslöser dafür.

Als erste Maßnahme hilft es deshalb manchmal, Stress abzubauen und für ausreichend Erholung und Entspannung zu sorgen. Des Weiteren kann es sinnvoll sein, Arbeitsbedingungen zu ändern und Probleme beim Chef und den Kollegen anzusprechen, oder notfalls gar den Job zu wechseln. Bei fortgeschrittener psychischer Belastung ist jedoch der Gang zu einem Psychiater oder Psychotherapeuten sinnvoll und richtig. Auch wenn sich viele Menschen davor scheuen, Depressionen und Burnout sind Krankheiten, die sich in den meisten Fällen mit Hilfe eines Arztes gut behandeln lassen.

Weitere Ursachen: Was noch zu Müdigkeit führt

Wenn regelmäßig Medikamente eingenommen werden, kann anhaltende Müdigkeit eine Nebenwirkung davon sein. Dazu zählt eine ganze Reihe von Arzneimitteln, die von Antidepressiva über Schmerzmittel bis zu Blutdruck senkenden Mitteln reicht. Hier gilt grundsätzlich: Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Andere Ursachen für die Müdigkeit sollten zudem ausgeschlossen werden.