Zeckenbiss und Borreliose

Während Graf Dracula wohl ein Mythos ist und bleibt, verstecken sich die eigentlichen Vampire nicht in Särgen und alten Schlössern, sondern lauern ihren Opfern lieber in Laub und Gräsern auf. Die Rede ist von Zecken, die den Ruf haben, gefährliche Krankheiten zu übertragen. Zu Recht, denn mancherorts sind die Winzlinge regelrecht eine Plage, und ein Zeckenbiss kann langwierige und quälende Folgen haben. Die am häufigsten übertragene Krankheit heißt Borreliose. Weil es gegen sie keine Impfung gibt, sollten Zeckenbisse unbedingt vermieden werden. Sticht doch mal eine Zecke zu, reicht es glücklicherweise meistens schon aus, sie rechtzeitig zu entdecken und zu entfernen.

Borreliose durch Zeckenbiss

Unter den 900 bekannten Zeckenarten ist in Deutschland vor allem eine für die Verbreitung der tückischen Krankheit Borreliose verantwortlich. Ihr Name: Gemeiner Holzbock. Mehr als 50 Krankheiten können von Zecken übertragen werden. In Deutschland verbreitet sind davon zwei, zum einen die Borreliose, zum anderen FSME. Letzteres ist die Abkürzung für eine Virenerkrankung, die ausgeschrieben auf den sperrigen Namen Frühsommer-Meningoenzephalitis hört. Borreliose ist hingegen eine Krankheit, die durch Bakterien verursacht wird. Gegen FSME gibt es eine Impfung, gegen Borreliose hingegen nicht.

Im besten Fall wird Borreliose schnellstmöglich mit Antibiotika behandelt, denn von selbst verschwindet die Krankheit nicht. Außerdem macht sie sich erst nach ein bis zwei Wochen bemerkbar. Das Tückische ist dabei, dass die Beschwerden denen einer Grippe zum Verwechseln ähnlich sind. Deshalb wird Borreliose häufig nicht erkannt. Die Symptome verschwinden zwar bald darauf, die Erreger aber bleiben und nisten sich in Bereichen des menschlichen Körpers ein, an denen ihnen Antikörper nichts anhaben können. Von dort aus können sie immer wieder zuschlagen und erneut Beschwerden auslösen. Je früher Borreliose also erkannt wird, desto besser lässt sie sich behandeln.

Nicht jede Zecke trägt die Erreger in sich. Wie viele von ihnen befallen sind, schwankt allerdings von Ort zu Ort sehr stark. In Norddeutschland ist es nicht einmal jede zehnte Zecke, im Süden ist das Risiko höher. Es gibt allerdings auch Regionen, in denen beinahe jede zweite Zecke betroffen ist. Trotz allem erkranken nur einige wenige Prozent der Menschen, die von Zecken gebissen werden, an Borreliose. Die Erreger übertragen sich nicht sofort mit dem Biss der Zecke, dazu braucht es noch einige Stunden.

Die Zecke finden und entfernen

Auch wenn es Zeckenbiss heißt, eigentlich sticht die Zecke eher zu, um an das heiß begehrte Blut seiner Opfer zu gelangen. Beim Zeckenbiss handelt es sich also genau genommen um einen Zeckenstich. Hat sich eine Zecke festgesaugt, gilt es Ruhe zu bewahren. Da sich Borreliose erst nach bis zu 24 Stunden von der Zecke auf den Menschen überträgt, bleibt genügend Zeit, um die Zecke zu entfernen. Vorausgesetzt, die Zecke wird rechtzeitig gefunden. Ist man in gefährdeten Gebieten unterwegs, sollte der Körper deshalb zunächst auf Zecken abgesucht werden. Je früher die kleinen Blutsauger gefunden werden, desto besser.

Haben Sie eine Zecke entdeckt, machen Sie bloß nicht den Fehler, wild an ihr herumzureißen oder herumzudrehen. Auch sollte die Zecke auf keinen Fall mit Alkohol oder anderen scharfen Mitteln übergossen werden. Die weit verbreiteten Tipps zum Entfernen von Zecken sind also falsch und sorgen sogar noch dafür, dass sich Krankheitserreger um so wahrscheinlicher auf den Menschen übertragen. Die Bakterien, die für die Borreliose verantwortlich sind, siedeln nämlich im Verdauungstrakt der Blutsauger, durch Quetschen können die Borreliose-Bakterien in die Blutbahn der Gestochenen gedrückt werden, bei Alkohol und Co. erbrechen die Zecken die Erreger unter Umständen in die Blutbahn ihrer Opfer.

Besser ist es daher, Zecken ganz vorsichtig und langsam herauszuziehen. Noch besser ist es, sie mit einem scharfen Gegenstand, zum Beispiel einer Rasierklinge, herauszuhebeln. Am besten ist es jedoch, dies einem Arzt zu überlassen.

Tipps gegen Zeckenbisse

Um sich vor Zeckenbissen zu schützen, hilft nur gesunde Vorsicht. Besonders zwischen Juni und September sollten gefährdete Gebiete gemieden werden. Anders als oft geglaubt lauern die Zecken nicht auf Bäumen ihren Opfern auf, die Gefahr kommt von unten. Zecken verstecken sich auf Gräsern und in Laub und krabbeln an ihren Wirten hoch. Bleiben Sie deshalb auf Wegen und Trampelpfaden, statt sich durch das Geäst zu schlagen. Suchen Sie sich selbst und ihre Kinder außerdem gründlich nach Zecken ab. Tragen sie ferner hohe Schuhe und lange Sachen, damit Zecken nicht auf Ihre Haut gelangen. Schon wenn Sie Ihre Socken über die Hose ziehen, hat das einen großen Effekt gegen Zeckenbisse.